15. Triennale
Kleinplastik Fellbach

Alte Kelter, Fellbach

4.6.—3.10.
2022

15. Triennale
Kleinplastik Fellbach

Alte Kelter, Fellbach

4.6.—3.10.
2022

15. Triennale
Kleinplastik Fellbach

Alte Kelter, Fellbach

4.6.—3.10.
2022

Vibration der Dinge

Die 15. Ausgabe der Triennale Kleinplastik Fellbach beschäftigt sich mit der Lebendigkeit der Dinge.

Dinge, auch künstlerische Objekte sind in soziale und gesellschaftliche Kontexte eingebunden. Objekte sind lebendig, sie vibrieren und erzeugen Resonanz. Gehen sie auf Reisen, verschieben sich ihre Bedeutungen und Werte. Sie besitzen eine Aufladung, die sich verändern und gar verschwinden kann.

Unter dem Titel Die Vibration der Dinge wirft Elke aus dem Moore fundamentale Fragen unserer Gegenwart auf – Fragen, die zentral sind für unser Zusammenleben auf diesem Planeten. Ausgehend von einer Lebendigkeit der Materie und somit auch einer Wirkmacht von Objekten, werden künstlerische Positionen vorgestellt, die sich mit gesellschaftlich hochaktuellen Fragen nach Eigentum, Verflechtung, Restitution und Verantwortung beschäftigen.

Liegt in Objekten eine andere Form von Wirklichkeit oder Wahrheit? Welche sozialen Funktionen und Bedeutungen haben Objekte? Was veranlasst uns Menschen dazu, etwas beherrschen oder besitzen zu wollen? Die Auffassung, dass Objekte eine Wirkkraft haben, verändert Beziehungen auf grundlegende Weise. Vor allem vor dem Hintergrund einer forcierten Migration der Objekte, durch Krieg und Raub, oder anderen Überführungen in neue soziale Kontexte wird deutlich, dass Beziehungen zwischen verschiedenen Menschen, aber auch ihren Objekten unterbrochen wurden. Die gegenwärtige Auseinandersetzung um Restitution verdeutlicht, dass die Wiederherstellung dieser Beziehungen dringend notwendig ist. Dazu gehört über die Rückgabe der Güter hinaus die Anerkennung anderer, auch nicht-kognitiver Wissenssysteme. Erst so können Beziehungen wieder hergestellt werden, die durch Kolonialismus, Imperialismus und Kapitalismus auseinandergetrieben wurden und werden.

Kulturelle Institutionen und Ereignisse wie die Triennale Kleinplastik Fellbach tragen eine besondere Verantwortung, denn sie stellen Räume zur Verfügung, in denen Resonanzerfahrungen gemacht werden können. Welche Formen der Rezeption sind notwendig, um Objekte in ihrer Komplexität und Lebendigkeit wahrnehmen zu können? Wie entstehen Beziehungen und Erfahrungen durch Kunstobjekte? Wie verändern sich Kunstobjekte durch ihre Migration?

Vibration of Things

The 15th edition of the Triennial of Small Sculpture Fellbach deals with the vitality of things.

Things, including artistic objects, are integrated into social and societal contexts. Objects are alive, they vibrate and generate resonance. When they travel, their meanings and values shift. They possess a charge that can change and even disappear.

The exhibition "The Vibration of Things" by Elke aus dem Moore raises fundamental questions of the present – questions that are central to our coexistence on this planet. Starting from the assumption that objects are vital, living, and bearing power vitality , artistic positions are presented that deal with socially highly topical questions of ownership, interconnectedness, resonance, restitution and responsibility.

Does another form of reality or even truth lie in objects? What social functions and meanings do objects have? What makes us humans want to control or own anything? Objects are also social objects. Objects vibrate, resonate, that is, they possess a charge that can change and even disappear. The conception of objects having agency changes relationships in fundamental ways. Especially against the background of a forced migration of objects, through war and robbery, or other transfers into new social contexts, it becomes clear that relationships between different people, but also their objects, have been violently interrupted.

The current controversy over restitution highlights the urgent need to restore these relationships. Beyond the restitution of property, this includes the recognition of other knowledge systems, including non-cognitive ones. Only in this way can relationships be restored that were and are being driven apart by colonialism, imperialism, and capitalism.

Cultural institutions and events such as the Triennial of Small Sculpture Fellbach bear a special responsibility as they provide spaces in which experiences of resonance can be made. Which forms of reception are necessary to perceive objects in their complexity and liveliness? How do relationships and experiences arise through art objects? How do art objects change through their migration?

Elke aus dem Moore

Elke aus dem Moore ist seit 2018 Direktorin der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Vorher war sie Leiterin der Abteilung Kunst des Instituts für Auslandsbeziehungen. In dieser Funktion koordinierte und realisierte sie über viele Jahre den Deutschen Pavillon der Kunstbiennale Venedig. Von 2003 bis 2006 war Elke aus dem Moore Leiterin des Künstlerhauses Stuttgart und von 1999 bis 2002 Kuratorin an der Shedhalle in Zürich. Sie ist Mitgründerin der International Biennial Association – IBA und der online-Plattform Contemporary And – C&. Der kuratorische Ansatz Elke aus dem Moores folgt dem Prinzip der Begegnung, des Austauschs und des Dialogs. Die Verschränkung von globalen gesellschaftlichen Fragestellungen mit lokalen Erfahrungen und Praktiken zeitgenössischer Kunst bestimmen die programmatische Ausrichtung ihrer Arbeit. Foto: Frank Kleinbach

Elke aus dem Moore has been director of Akademie Schloss Solitude in Stuttgart since 2018. Previously, she was head of the Art Department at the German Institute for Foreign Cultural Relations. In this capacity, she coordinated and realized the German Pavilion at the Venice Art Biennale for many years. From 2003 to 2006 Elke aus dem Moore was director of the Künstlerhaus Stuttgart and from 1999 to 2002 curator at the Shedhalle in Zurich. She is co-founder of the International Biennial Association - IBA and the online platform Contemporary And - C&. Elke aus dem Moore’s curatorial approach follows the principle of encounter, exchange and dialogue. The interweaving of global social issues with local experiences and practices of contemporary art determine the programmatic orientation of her work. Photo: Frank Kleinbach

Antje Majewski

Antje Majewski (Berlin) stellt in zwei Projekten in Frage, wieweit ein Wald oder auch ein in der Kolonialzeit nach Deutschland gelangter Thron aus Kamerun überhaupt „besessen“ werden können. Antje Majewski, 1968 in Marl geboren, lebt und arbeitet in Berlin und ist Professorin für Malerei an der Muthesius Kunsthochschule, Kiel. Mittels Malerei, Video, Texten und Performances beschäftigt sie sich mit anthropologischen und philosophischen Fragen. Ihre jüngsten Arbeiten konzentrieren sich auf die Befragung von Objekten, Territorien und Pflanzen sowie auf die Erforschung alternativer Wissenssysteme, des Erzählens von Geschichten und die Möglichkeit transformativer Prozesse. Ihr besonderes Interesse gilt der kulturellen sowie geobotanischen Migration. Majewski arbeitet oft mit anderen Künstlerinnen und Künstlern wie auch ökologischen und städtischen Gruppen zusammen. Die Triennale dient der Realisierung eines solchen kollaborativen Projektes, bei dem der Wald als Schutzraum eine zentrale Rolle spielt. Foto: Jens Ziehe

Antje Majewski, born in Marl, Germany, in 1968, lives and works in Berlin and is professor of painting at the Muthesius Kunsthochschule, Kiel. By means of painting, video, texts and performances she deals with anthropological and philosophical questions. Her recent work focuses on the interrogation of objects, territories, and plants, as well as on the exploration of alternative knowledge systems, storytelling, and the possibility of transformative processes. She is particularly interested in cultural as well as geobotanical migration. Majewski often collaborates with other artists as well as ecological and urban groups. In the framework of the Triennial another collaborative project will be realized, in which the forest as a protected, sacred space plays a central role. Photo: Jens Ziehe

Memory Biwa

Memory Biwa wurde 1979 in Windhoek, Namibia, geboren. Ihre Forschung und Arbeit konzentriert sich auf den Kolonialkrieg und den Völkermord in Namibia und befasst sich mit transnationalen Gedenk- und Wiedergutmachungsprozessen. Biwa ist Teil des Sound-Duos „Listening at Pungwe“, das 2021 mit einem Stipendium des DAAD-Programms „Künstler in Berlin“ ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2022 wird sie im Rahmen der baden-württembergischen „Namibia-Deutschland-Initiative“ für Künstleraufenthalte zwischen der Akademie Schloss Solitude und namibischen Institutionen ein Workshop-Programm kuratieren. Für die Triennale spürt sie den Klängen von Objekten nach und fragt, welche Ladung Objekte in sich tragen und wie diese in die Zukunft wirkt. Foto: Niklas Zimmer

Memory Biwa Memory Biwa was born in 1979 in Windhoek, Namibia. Her research and work focuses on the colonial war and genocide in Namibia, and addresses transnational memorial and reparative processes. Biwa is part of the sound duo, ‘Listening at Pungwe’, who are recipients of the 2021 DAAD Artists-in-Berlin program. In 2022, she will curate a workshop program as part of the Baden-Wurttemberg, ‘Namibia-Germany Initiative’ for artist residencies between Akademie Schloss Solitude and Namibian institutions. For the Triennal, she traces the sounds of objects, and asks what charge do objects carry, and how do these reverberations echo into the future? Photo: Niklas Zimmer

Gabriel Rossell-Santillan

Gabriel Rossell- Santillán (Mexico) verfolgt für die Triennale die Geschichte eines Teppichs und erzählt so von der Verwobenheit von Menschen und Dingen. Er lebt und arbeitet in Berlin und Mexico. 2006 bis 2008 war er Meisterschüler an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Lothar Baumgarten. In seinen Fotografien, Videos, Objekten und Installationen setzt sich der 1977 in Mexiko-Stadt geborene Künstler mit der Transformation kulturellen Wissens auseinander. Gabriel Rossell-Santillán lebt die Hälfte des Jahres mit der indigenen Wixárika-Gemeinschaft im Nordosten Mexikos. In dem für die Triennale konzipierten Projekt deckt er verschüttetes Wissen aus einer Zeit auf, in der der Pazifik als Zentrum der Erde galt. Foto: Sebastian Maiwind

Gabriel Rossell-Santillán lives and works in Berlin and Mexico. From 2006 to 2008 he was a master student at the Berlin University of the Arts with Prof. Lothar Baumgarten. In his photographs, videos, objects, and installations, the artist, born in Mexico City in 1977, explores the transformation of cultural knowledge. Gabriel Rossell-Santillán lives half the year with the indigenous Wixárika community in northeastern Mexico. In the project conceived for the Triennial, he uncovers buried knowledge from a time when the Pacific was considered the center of the earth. Photo: Sebastian Maiwind